04. Mai 2024

GENRE ODER NICHT GENRE… 

… das ist hier die Frage. Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern der Verlage zu erdulden oder, sich waffnend gegen eine See von Leser*innen-Plagen, durch Widerstand sie enden? Sorry, aber dieses Hamlet-Zitat musste einfach sein, denn es verdeutlicht die Qualen schreibender Menschen, die sich entscheiden müssen, welchem Genre ihr Text zuzuordnen ist, obwohl sie das nicht wollen.

Das war auch letztes Wochenende Thema, als ich für die Deutschen Schreibtage der Schule des Schreibens Hamburg vier Workshops geleitet habe, einen davon zum Thema Genre. Dass Zwittertexte schwer verkäuflich sind, ist ein ungeschriebenes Gesetz und doch gibt es glücklicherweise Verlage, die – zumindest ab und zu – dieses Gesetz locker vom Tisch wischen, wie Suhrkamp mit dem frisch erschienenen Roman Hasenprosa von Maren Kames, der erstens nicht wie ein Roman daherkommt (ist diese Bezeichnung vielleicht doch ein Zugeständnis an das Einordnungsbedürfnis der Leser*innen?) und zweitens erst recht kein klassisches Romangenre bedient, sondern stattdessen vom Verlag als „Kippbild zwischen Abenteuer und Memoir, Magie und Alltag“ beschrieben wird. Eine meiner Thesen: je originärer ein fiktionales Werk ist, umso weniger ist es genre-kompatibel. Stattdessen geht es um die spezifische Wahrnehmung von Welt und den dazu passenden poetischen Stil. Aber zurück zur Hasenprosa und zur Literaturkritikerin Insa Wilke, die vorgestern in der 3sat Kulturzeit gefragt wurde, ob sie „diesen Roman bei allem Experimentellem dem Genre Familienroman zuordnen“ würde. Wilke überlegt kurz und antwortet dann ernst: „Eher so, wie man sich einen dekonstruierten Sonntagsbraten vorzustellen hat.“ Wunderbar. 

P.S.: Und was hat dieses Kissen-Foto damit zu tun? Als ich zum ersten Mal mein Zimmer im Bildungs- und Begegnungszentrum Clara Sahlberg am Wannsee, wo die Schreibtage stattfanden, betreten habe, dachte ich, dass nicht nur Bücher, sondern natürlich auch Hotels in Genres unterteilt werden können und dass dieses Zimmer mit seiner Boxspringmatratze glücklicherweise nicht zum klassischen Tagungshotel-Genre gehört, sondern vielmehr zum Subgenre Cosy Bildungszentrum. 

P.P.S.: Und weil ich mit Hochkultur begonnen habe, ende ich zum Ausgleich mit einem Flachwitz, in welchem es ebenfalls um Genres und um Hasen geht. Also: Welches Musik-Genre hören Hasen am liebsten? Hip-Hop.

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