30. April 2026

KOPFUNTER

Georg Baselitz ist tot. Das lese ich vor ein paar Minuten, während draußen zwei Krähen in der riesigen Pappel vor meinem Arbeitszimmer den Frühling vertreiben wollen. Baselitz, einer der weltweit bedeutendsten Maler und Bildhauer. Der, der mal gesagt hat, dass Frauen nicht so gut malen können und ich wüsste zu gern, in welchem Zusammenhang.

Und ich erinnere mich an sein Zitat (auch hier: ich weiß nicht mehr den Zusammenhang), seine Bilder seien „im Grunde immer Schlachten“. Nachhaltig sehe ich die Bilder aus seiner monumentalen Werkgruppe aus den 60er Jahren vor mir: die Helden. Zerlumpt, gescheitert, zweifelnd. Besonders krass damals im Wirtschaftswundernachkriegsdeutschland und in jedem späteren Jahrzehnt immer wieder anders lesbar.

Was können wir von ihm lernen? Vieles, vieles. Aber ich finde: vor allem eins: alles kann und soll und muss auf den Kopf gestellt werden. Der Grund für das „verkehrt herum“ aufhängen seiner Bilder war ja, dass die Betrachtenden sich auf diese Weise auf Form, Farben und Komposition eines solchen Bildes konzentrieren könnten, denn es sei inhaltsleer und nicht interpretierbar. Ehrlich gesagt hat mich das nie überzeugt. Für mich ist das learning ein anderes: Das, was man auf den Kopf stellen kann, soll und muss ist vor allem die eigene Meinung, scheinbare Weltordnungen und scheinheilige Hierarchien, jedes Non plus Ultra sowieso und immer wieder auch die Sanduhr des eigenen verrinnenden Lebens.

CARPE DIEM!

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