LULU IN BERLIN
Vorgestern in der Dt. Kinemathek Berlin: Eröffnungswochenende am neuen Standort im E-Werk. Von weitem sehe ich Louise Brooks, wie sie dort oben auf der Galerie aus ihrem Plakat herunterblickt in das Berliner Publikumsgewimmel 2026. Vor knapp 100 Jahren war sie schon einmal in dieser Stadt und hat ihren wohl berühmtesten Film Die Büchse der Pandora gedreht.

Darin spielt sie mit Aufsehen erregender Natürlichkeit die Femme Fatale Lulu, entwickelt einen völlig neuen Schauspielerinnentyp, wird zur Stummfilm Ikone und eine der ersten kritischen Hollywood Rebellinnen, was man in ihrer autobiografischen Essaysammlung „Lulu in Hollywood“ nachlesen kann. Ich ärgere mich noch heute (naja, ein bisschen), dass ich vor etlichen Jahren eine amerikanische Erstausgabe nicht gekauft habe. Ich glaube, es war im Antiquariat Hennwack und ich bin sicher, dass sie ziemlich teuer war…
Zum Trost habe ich vorhin ein bisschen recherchiert und erstens gelesen, dass die Los Angeles Times vor zwei Jahren dieses Buch auf Platz 28 der 50 all time best books of Hollywood gewählt hat. Und zweitens eine Rezension von John Russell Taylor, dem bekannten Filmkritiker, der Louise Brooks klugen und pointierten Stil bewundert hat und dann etwas Ungewöhnliches schreibt: „Wenn Brooks eine Achillesferse hat, dann ist es ihre eigene Intelligenz: Sie neigt dazu, anderen genauso viel Selbstbewusstsein und analytisches Denkvermögen zuzuschreiben, wie sie selbst besitzt.“ An alle unter euch, die schreiben: wie ist das bei euch? Stellt ihr euch ebenfalls vor, dass eure Leser*innen so intelligent etc. sind wie ihr selbst? Schreibt mir gern, ich bin gespannt.
P.S.: 1969 war Taylor übrigens Jury Mitglied der Internationalen Filmfestspiele Berlin und das notiere ich hier, weil ich mich schon außerordentlich auf die diesjährige Berlinale freue.
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