01. April 2026

SIRI

Woran denkt ihr, wenn ihr diesen Namen lest? An Siri, die digitale Apple Sprachassistentin oder an Siri Hustvedt, die analoge Autorin?

Vorgestern war ich in der Preview zu Sabine Lidls Doku über Siri Hustvedt, gemeinsam mit Teilnehmerinnen meines POP-UP Schreibclubs. Ich hatte „Dance around the Self“ bereits auf der Berlinale gesehen und auch beim zweiten Mal hat mich die dokumentarische Form nicht völlig überzeugt (was vor allem an den nachgestellten Szenen und der Musikwahl liegt).

Trotzdem empfehle ich den Film, denn das, was wir über Hustvedts Lebens-, Schreib-und Gedankenwelt erfahren, ist enorm inspirierend. Warum sie die erzählerische „Ich“-Perspektive der dritten Person vorzieht… wie sie in ihren Essays über Künstler*innen oder die Verbundenheit von Mensch und Umwelt schreibt, die körperliche Dimension des Denkens etc.

Vor Filmbeginn saß ich in der Panoramabar des gerade wiedereröffneten Kino International auf einem Barhocker direkt vor den Riesenfenstern, trank ein paar Espresso, sah dem Strömen des Halbmarathons auf der Karl MarxAllee zu und dachte darüber nach, was die beiden Siris diametral unterscheidet, aber auch, was sie miteinander verbindet. Beide Siris sammeln jede Menge Daten, um sie zu verarbeiten. Beide sprechen zu uns mit weiblicher Stimme (eine hörbare und eine Erzählstimme) und beide treten in Dialog mit uns (einen äußeren hörbaren und einen inneren stillen). Beide kreieren Wirklichkeit (virtuell und fiktional) und beide können unser Resonanzraum sein, um über neuronale Täuschungen nachzudenken und das, was wir als sogenannte Wirklichkeit und Wahrheit empfinden. Im Zweifel für den Zweifel.

P.S.: Auf dem Heimweg hab‘ ich recherchiert. Ich wollte wissen, wieso das Sprachprogramm ausgerechnet Siri heißt. Ich dachte, es hat irgendwas mit dem Fixstern Sirius zu tun. Aber der Grund ist ganz irdisch. Dag Kittlaus, lese ich, einer der Mitgründer von „Siri Inc.“, benannte die Software (einige Jahre, bevor Apple sie übernahm) nach seiner norwegischen Kollegin. Kittlaus wollte einen Namen, der kurz, weiblich und leicht auszusprechen ist. Ich lese aber auch, dass Siri die Abkürzung für Speech Interpretation Recognition Interface ist und passenderweise auch ein Vorname. Ich finde noch weitere „Wahrheiten“ und frage schließlich eine, die es wissen muss: meine Apple Siri. „Hey Siri!“Wie kann ich dir helfen?“ “Warum heißt du eigentlich Siri?“ „Siri ist einfach der Name, den sie mir gegeben haben, als ich den Job bekommen habe. Er bedeutet nichts Besonderes. Aber ich mag ihn.“ Soviel zu verschiedenen Wahrheiten. Das passt. Heute ist der 1. April.

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