24. Februar 2012

VERWISCHUNGEN UND VERMALUNGEN

Heute war ich in der Gerhard Richter Ausstellung PANORAMA in der Neuen Nationalgalerie. Unabhängig davon, dass ich mich auf diese Ausstellung schon seit langem freue, war der Besuch auch Teil der Vorbereitung auf mein Gerhard Richter Seminar an der FU im März, in welchem ich mit den Teilnehmer*innen Richters verschiedene künstlerische Positionen darauf hin untersuchen werde, wie sie für das eigene Schreiben fruchtbar gemacht werden können.

Dafür gibt es meiner Ansicht nach eine unglaubliche Vielzahl an Ansatzpunkten (die konkrete Auswahl für fünf Termine wird eine Herausforderung für mich sein) und natürlich will ich Ihnen in diesem Blog heute ein Beispiel dafür geben.

O.k., was wähle ich aus? Lassen Sie mich in meinen Notizen blättern… ah, ja, wie wär’s mit Folgendem?

„Fast alle meine abstrakten Bilder zeigen Szenen, Gegenden – Wald zum Beispiel – die es nicht gibt, aber geben KÖNNTE,“ sagt Richter. Und genau deshalb wirken diese abstrakten Bilder gleichzeitig so „realistisch“, unabhängig von allen Verwischungen und Vermalungen.

Richter gehört zu den Künstlern, die der so genannten Wirklichkeit – manchmal bezeichnet er sie auch als Realität – sehr skeptisch gegenüber stehen. Aber: „Ich misstraue nicht der Realität, sondern unserem Bild der Realität.“

Dies hat natürlich auch viel mit dem Schreiben zu tun. Damit, Szenen zu schreiben, die es nicht gibt, aber geben KÖNNTE. Und – bei aller sprachlichen Exaktheit – dennoch auch stilistische Verwischungen und – könnte man sagen: Verschreibungen? – vorzunehmen, die bei den Leser*innen den Realitäts-Eindruck noch verstärken. So könnte es gewesen sein! So war es! Sicher war es so!

Können Sie sich unter diesen sprachlichen Verwischungen etwas vorstellen? Oder hört sich das allzu abstrakt an?

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